Lukas, der Stürmerschreck

Der Plonser Lukas Good war einer der Hauptverantwortlichen für den Höhenflug von Liechtensteins Unihockey-Nationalmannschaft bei der WM-Qualifikation. Auch dank Goalie Good gelang der erste Sieg seit zwölf Jahren.

Nahmen Liechtensteins Unihockeyaner in den letzten acht Jahren an den WM-Qualifikationsturnieren teil, hiess es am Ende jeweils: ausser Spesen (Spieler und Staff zahlen alles selber) nichts gewesen. Es reihte sich Niederlage an Niederlage für das kleine Fürstentum. Mal höher, eher seltener weniger hoch. Negativhöhepunkt war das 0:35 vor sechs Jahren gegen die Topnation Tschechien, das damals unbedingt den damaligen Rekord (0:37) brechen wollte.

Seit letzter Woche ist die Brust von Liechtensteins Nationalspielern – viele davon spielen beim UHC Schaan in der 3. Liga auf dem Kleinfeld – um einiges breiter. Nach zwölf Jahren Wartens gelang im dritten Spiel der WM-Qualifikation in Kocēni (Lettland) mit dem 4:2 gegen Belgien endlich wieder ein Sieg. Während für die grossen Nationen die WM-Quali nur eine lästige Pflicht ist, feierten die Liechtensteiner den erlösenden Sieg fast wie den Weltmeistertitel – vor dem letzten Drittel lagen sie noch 0:2 im Rückstand. Beinahe wäre tags darauf der nächste Erfolg gelungen. Im Platzierungsspiel um Rang 5 führten die «Fürstensöhne» zwischenzeitlich 5:2, doch Kontrahent Ungarn glich im Schlussdrittel aus und gewann in der Verlängerung 6:5.

Good in Hochform

Die Enttäuschung hielt nur kurz an. Die Nationalmannschaft Liechtensteins war die positive Überraschung des Turniers in Lettland. Zwar verlor sie quasi «standesgemäss» 1:13 im Auftaktspiel gegen den WM-Sechsten Norwegen. Doch schon im zweiten Spiel staunten viele, als sich Polen (Elfter der letzten WM) beinahe die Zähne am Ländle-Bollwerk ausbiss. Nur 1:2 hiess es nach zwei Dritteln, 2:4 am Ende.

Vor allem Liechtensteins Schlussmann Lukas Good liess die polnischen Stürmer verzweifeln. 24 Paraden zählten die Statistiker in den 45 Minuten – erstmals wurde nur drei mal 15 Minuten gespielt. Tags darauf beim Sieg gegen Belgien stoppte er 21 gegnerische Abschlüsse. «Outstanding» (hervorragend), bezeichnete selbst der internationale Unihockeyverband IFF die Vorstellung des jungen Plonsers.

Baumeister Kipfer

Es war nicht das erste Mal, dass der 22-Jährige, der im Kader des NLB-Fanionteams des UHC Sarganserland steht, auf internationaler Bühne auftrumpfte. Bei seinem Einstand in Liechtensteins Auswahl vor vier Jahren hielt er offiziell gezählte 71 Schüsse der damaligen finnischen Weltmeister – das Bild mit seinen blutgetränkten weissen Handschuhen ging damals durch die Unihockeywelt. 0:24 verlor Liechtenstein damals trotz Goods Grosstaten.

«Lukas ist eine ‘Wettkampfsau’», sagt Nationaltrainer Marco Kipfer über seinen Torwart, den er seit Juniorenzeiten beim UHCS bestens kennt, «in wichtigen Spielen hat er immer geliefert.» Wirkt der junge Mann neben dem Spielfeld manchmal etwas schläfrig, taut er zwischen den Pfosten auf.

Kipfer selber war der Baumeister von Liechtensteins überraschenden Leistungen. Der 52-Jährige, der zwischenzeitlich Sportchef sowie später Trainer der NLB-Equipe des UHCS war und in den letzten beiden Saisons 1.-Ligist Widnau coachte, brachte Struktur und System ins Team – und mit seinem Staff den Glauben an die eigenen Stärken. «Der Teamgeist in Lettland war unglaublich, so etwas habe ich noch nie erlebt», freute sich Kipfer.

Egal, was geschah – die Liechtensteiner glaubten an sich. Wenig fehlte zur ganz grossen Sensation – mit einem (möglichen) Sieg gegen Polen hätte Liechtenstein um die WM-Teilnahme gespielt. «Allein der Gedanke daran verursacht Hühnerhaut», sagt Kipfer. Eine neue Epoche hat begonnen.

Text: Reto Voneschen (“Sarganserländer”)
Bild: IFF