Ein unerwartetes Hoch

Der 5:4-Sieg in Altendorf war bereits der siebte Erfolg des UHC Sarganserland in dieser NLB-Saison. Bei Halbzeit der Qualifikation liegt der UHCS auf Kurs Richtung Play-offs. Eine erstaunliche Leistung.

von Reto Voneschen (“Sarganserländer”)

Und plötzlich lacht das Glück den Sarganserländer NLB-Unihockeyanern. Mit vereinten Kräften bringen sie den knappen 5:4-Vorsprung am Sonntagabend in der gefürchteten Altendörfler Mehrzweckhalle über die Zeit. Goalie Sepp Mattle hat plötzlich mehr Arme als die indische Göttin Kali. Zuvor drehten die UHC-Akteure – wieder einmal – im Schlussdrittel einen Rückstand in einen Vorsprung. Captain Claudio Stucki gleicht in der 46. Minute aus. Der bissige Flügel Ivano Torri – von der Gegnerschaft auch schon «Pitbull» genannt – schiesst in der 54. Minute das entscheidende Tor. Die Hausherren mit dem martialischen Namen Red Devils verlieren die Nerven, legen sich mit den Schiedsrichtern an, müssen aber erneut ohne Punkte vom Feld.

Es sind ungewohnte Bilder. In sieben von elf bisherigen NLB-Qualifikationsspielen gingen die Sarganserländer Unihockeyaner als Sieger vom Feld. Darunter waren fünf Auswärtssiege. Aktuell liegt der UHCS auf Rang 6, zehn Punkte über dem Play-off-Strich.

Kurz zum Vergleich: In der abgebrochenen vergangenen Saison gewann er eine von fünf Partien – und lag am Tabellenende. In der Spielzeit zuvor reichte es zu zwei Siegen in 22 Partien – und auch dann lag der UHCS – am Tabellenende. Bereits in der Saison 2018/19 waren es «nur» acht Siege. Alle davon im Kalenderjahr 2018 – mit einer beispiellosen Niederlagenserie wurden damals die Play-offs verspielt.

Heisst: Nach drei langen Jahren hat der UHCS endlich zum Siegen zurückgefunden. Eine überraschende Wende, denn in der Vorbereitung sah es nach einigen gewichtigen Abgängen wenig verheissungsvoll aus.

Die Mischung stimmt

Warum also das jetzige Hoch? Allein der Blick auf die Torschützen im letzten Spiel gegen Altendorf ist aufschlussreich. Siegtorschütze Torri war bei seinem Stammverein Chur in der NLA nicht mehr erwünscht – den UHCS kannte er schon von seinem ersten Gastspiel vor drei Jahren. Gian-Andri Meiler (Torschütze 1:1) schaffte bei Alligator Malans nicht den Sprung ins NLA-Fanionteam. Gleiches erlebte Lorenzo Compagnoni (2:1) Jahre zuvor in Chur. Via 2.-Liga-Reservemannschaft kam er zurück ins UHCS-Fanionteam. Mit dem Vilterser Dominik Dietrich (3:4) und dem Melser Stucki (4:4) sorgen einheimische Kräfte für Stabilität im UHCS-Spiel. Dazu kommt mit Jakob Karlsson (zwei Assists gegen Altendorf) ein schwedischer Verstärkungsspieler, der die hiesigen Verhältnisse aus seinen zwei vorherigen Gastspielen kennt und, anders als oftmals seine Landsleute, als nimmermüder Vorkämpfer weite Weg geht.

Die Beispiele zeigen: Die Mischung zwischen «Desperados» und Einheimischen stimmt im NLB-Team Ausgabe 2021/22. «Keine Stars, dafür ein starkes Kollektiv», heisst die Erfolgsformel. Die zeigt sich auch in der Torproduktion. Topskorer Karlsson (4 Tore/16 Assists) liegt «nur» auf Rang 12 der NLB-Skorerliste. «Dafür kann jede Linie produktiv sein», sagt Captain Stucki.

Dazu gehört auch das erfahrene Trainergespann Simon Gugelmann und René Fuchs, das sich, wenn nötig, nicht vor unpopulären Entscheiden scheut. Gegen Davos hatte die nominelle erste Formation rund um Stucki einen schlechten Tag und wurde nach 25 Minuten auf die Bank gesetzt. In die Bresche beim 10:9-Auswärtssieg sprangen dann die beiden anderen Linien. So kann es weitergehen.

(Bild: Franz Feldmann)

RD March-Höfe Altendorf – UHC Sarganserland 4:5 (3:2, 1:1, 0:2)
Mehrzweckhalle, Altendorf. 160 Zuschauer. SR Etter/Mutzner.
Tore: 3. A. Soini (M. Piittisjärvi) 1:0. 4. G. Meiler (L. Compagnoni) 1:1. 6. L. Compagnoni (L. Conrad) 1:2. 9. T. Suter (M. Piittisjärvi) 2:2. 17. T. Suter (L. Wildhaber) 3:2. 21. D. van Welie (P. Bamert) 4:2. 31. D. Dietrich (J. Karlsson) 4:3. 46. C. Stucki (J. Karlsson) 4:4. 55. I. Torri (L. Compagnoni) 4:5.
Strafen: 2mal 2 Minuten gegen RD March-Höfe Altendorf. 2mal 2 Minuten gegen UHC Sarganserland.