Monday, December 20, 2010 | Phrasenrampensau
Die 2. Mannschaft hat am Sonntag in der vierten 3.-Liga-Runde in Chur gegen Schaan in buchstäblich letzter Sekunde 2:1, sowie gegen Domat/Ems nach gewohnt turbulentem Spiel mit 4:1 gewonnen. Das reicht für Weihnachten auf dem 2. Tabellenrang. Alles weitere im wie immer bunten Tagesbrichtli.
"Alle rrrrrraus in den Schnee", brüllte der Feldwebel, als sich die ganze Bande endlich in den Backsteinkabinchen im Churer Bunker gemütlich gemacht hatte. Nix wars mit genüsslicher Sonntagsmorgenmusik aus der wieder gewonnenen Jukebox. Ausser für die beiden Knieler. "Im nächsten Leben werd ich Torwart", schnaufte der Dressureiter, als er nach dem Frühsport mit rotem Kopf wieder zurückkam. Die Sonderschichten wirkten aber. Trotz (oder dank?) dem launingen XXL-Taktikmonolog des Ersatzkautschs vor dem Anpfiff, waren die Zwöier beim Länderspiel hellwach. Wars doch der Zahltag, der lockte? Die Fürstensöhne übten sich in nobler Zurückhaltung und verschanzten sich in ihrem Hoheitsgebiet. Einzig mit dem Einlochen wollte es nicht klappen. Nur Rampensau Nummer 1 traf ins Fürstentor.
Kaum hatte der verschnupfte Golischlumpf fertig gejammert, dass kein Schüsschen auf sein Häuschen komme, liess er dann das erste auch gleich passieren. "Auswechseln, den Null-Prozenter", kringelten sich die Kollegen auf der Bank. Bald verging ihnen das Lachen. Das weisse Ballett begann zu tanzen, während die Zwöier kaum mehr einen Fuss vor den anderen brachten.Sollte sich da eine Uberraschung anbahnen? Die Minuten schmolzen wie der Schnee vor der Halle. 20 Sekunden vor Schluss gingen die beiden Roten "All-In".Der mittlerweile 50-%-Mehlsack raus, Christine mit der neuen Peitsche rein - der Kautsch kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Doch die Reiterin zwickte die Pille nochmals vors Tor, der Prättigauner stopfte sie gefühlte drei Tausendstel vor der Sirene über die Linie. Jubel, Sektkorken, Freudentränen - das liess auch den grossen RK über die Bande fliegen.
Kaum hatten sich die Gemüter wieder beruhigt, stand die nächste Taktikdebatte an. Das Phrasenschwein quiekte vor Freude, die Köpfe rauchten, der Schweiss rann. Doch, welch Wunder, wieder hatten die vielen Worte geholfen. Geduldig wareteten die Zwöier bis die Domater ihnen die Bälle zuschoben. Die zum Stürmer umfunktionierte Parfanner Ikone zog zweimal am Schkoda-Käppi und netzte zum 2:0 ein. Da wollte Don Alu nicht hintenanstehen und erhöhte auf 3:0. Doch so locker flauschig gaben die Banlieu-Churer die Punkte nicht her. Der glonige 20er zeigte einmal mehr, dass sich langhärige Erfahrung und Torhunger einfach auszahlen. Nun war Feuer im Dach - auffem Feld und auffem Balkon. Die Arschkarte hatte der pfiffige Überzieher gezogen. Zum Glück für die Zwöier liess er Ronaldos Freistösse jeweils doppelt ausführen - Variante 1 landete jeweils im Tor. Am Schluss nochmal erhöhter Puls und geschwollene Halsadern. Die Ikone lag wimmernd am Boden, zuvor zeigte er, wie die Weisstanner Bergheuet geht. Den Schlusspunkt setzte wieder die Dressurreiterin. Ihre 30-Meter-Flanke liess der glücklose Domater Schlussmann über sich ergehen. Wieder mal lag der Ball einen Hauch vor der Sirene im Kasten. 4:1, Danke für nichts.
Unterbrochen wurden die Strandbuben danach bei ihrer
Heimweh-Symphonie und der König bei seinen
misstrauischen Gedanken nur - wie könnte es auch anders sein - vom Ersatzkautsch. Nochmals legte er einen Hunni in die Floskelsau, welche nachher genüsslich im sonnigen Wangs verspiesen wurde. Die Laune hätte nicht besser sein können. Mit zwölf Punkten aus acht Spielen liegen die Zwöier auf dem zweiten Rang. "Vizewintermeister" tönt für einmal doch auch ganz gut.
Es floskelten: Voneschen/Camenisch; Bless, Bischof; Tschirky, Stucky; Thomas Pfiffner, Gerber, Marco Pfiffner; Kobler, Ganteinbein, Stefan Kohler; Ackermann. - Coach: Rolf Kohler, Kocherhans.
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