Monday, October 25, 2010 | Wo ist Philipp?
6:1 gegen Chur Unihockey II und 1:2 gegen die Desertina Bulls Disentis - so lauteten die nackten Resulate der zweiten Runde der zweiten Mannschaft am Sonntag in der Sarganser RSA. Wer's verpasst hat, hier ist der Bericht von der Heimrunde.
„Philipp geht steil“, malte der Coach auf seine Taktiktafel und 14 Augenpaare starrten die langmähnige Verteidigereiche an. Sollte der alte Schlangentöter jetzt plötzlich noch freien Ausgang bekommen? Oder war mit Philipp gar der unrasierte Maienfelder Volksmusikfreund gemeint? „Ackermann natürlich“, löste der Coach persönlich die Fragezeichen in den Gesichtern weg. Klar, der Junior. „Vornamen sind wie Schüll und Rauch“, unkte es später auf der Tribüne.
Auf dem Feld ging kurz danach dann aber nichts mehr. Beamten-Mikado in Reinkultur, dazu noch eine Fehlpassorgie der Sorte „wer hat noch nicht, wer will noch mal.“ Die gefühlte 67. Einladung nahmen die Steinbock-Junioren auch überschwänglich dankend an. Gegen den exzessiven Torjubel ist jedes isländische Tor nur ein Geburtstag im Altersheim. „Hat der eins am Nüssli?“ fragte sich so mancher Zaungast kopfschüttelnd.
Erst les copains jaunes – diesmal ohne modisches Mützlein - weckten die Zwöier aus der Lethargie. Stöcke über die Bande, Halbliechtensteiner auf die Bank. Der Halbösterreicher netzte danach aber gewitzt mit seinem Alustock zum 1:1 ein. Nach der Pause ging dann nicht nur Philipp steil. Die Parfanner Jugendikone gab mit einem Doppelpack seinen Fans weiter Futter für bemalte Bettlaken. Da konnte der Füdlibaggabergschriinzer nicht hinten anstehen, ebenso wie der kleine R.K. Und kurz vor der Sirene ging Philipp wirklich noch steil. Erst die Bande stoppte das schwägerliche Tiki-Taki.
6:1, so weit, so gut, dachte sich so mancher Himmelstürmer und stülpte sich die Kapuze übers edle Haupt, als der Tätschmeister zum Schponsorenpfoti rief. Motto: „Rihanna rules“. Die Bullenjagd gegen die Kameraden aus dem Rätisch Kongo lief dann nur zu Beginn nach dem gewohnten Schema – den Rückstand egalisierten die Zweier diesmal aber nicht. Der zweite Gegentreffer wurde bei den Kanarienvögeln noch weggeredet, das dritte Einlochen der grünen Männchen zählte dann auch offiziell.
Lange Gesichter, hängende Schultern – das war anders geplant. Auch Philipp steilte nicht mehr. Dem Tattoo-Luder ging die Puste nach einem 30 Meter Spurt aus – genauso wie der Holzmichel schlug er ein Luftloch, das jeden Hornusser neidisch gemacht hätte. Erst der kanadische Hockeygott liess die kurz vor dem Abnicken befindliche Zuschauermasse nochmals hoffen. Der 1865. Abschluss war nach einem wilden Ritt des roten Husaren endlich drin. Zu mehr reichte es nicht. Eindrücklich zeigten die Zwöier, dass sie sonst auf Handballtore trainieren.
„Und schwupp war er furt“, räusperte es kurz nach Spielschluss auf der Bank. Der erste Tabellenrang wäre mit einem Doppelpunkter in Sargaserländer Hand gewesen. So blieb den Zweiern nur der symbolträchtige zweite Rang. „Die Saison ist noch lang“, floskelte der Melser Altstar alsbald. Zumindest müssen sich die Zweier nicht mehr beim Heimpublikum mit hilflosen Ausreden wie „im Training klappt das jeweils besser“ rechtfertigen. Die nächsten fünf Runden geht Philipp in der Ferne steil.
Mitgehangen: Voneschen/Camenisch; Lederle, Tschirky, Bless, Pfiffner, Bischof, ; Kohler, Stucky, Ackermann, Sieber, Fust, Gantenbein, Gerber, Pfiffner, Kobler, Kocherhans.
zurück