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Saturday, November 29, 2008 | Nachruf für einige Portionen Spaghetti



Die 2. Herren Mannschaft des UHC Sarganserland verlor am Samstag gegen Herisau mit 2:11. Zwecks Verarbeitung der höchsten und in der Grossfeldgeschichte der Herren II bisher einzigen (das soll auch so bleiben) zweistelligen Niederlage, ein Bericht aus einer wieder einmal etwas anderen Perspektive.

Nachruf:
(bru) Unsere Spaghettiportionen, entstanden aus der engen Vereinigung von Wasser und Hartweizengries hinter den Mauern einer überdimensionierten, sterilen Pastafabrik in der Po-Ebene. So wurden unsere Schnurnudeln bereits in ihrer frühesten Jugend getrocknet, zusammengepfercht und zu hunderten zuerst in Plastikfolie mit Aussicht, dann zu ihrem Leidwesen doch in einen dunklen Karton verpackt und in einem 40 Tönner auf die dunkle, holperige Reise über die Alpen geschickt. Nach einer langen Fahrt unter Ihresgleichen in der Schweiz angekommen, abgeladen und von der düsteren Pappe befreit, durften unsere Teigwaren zum ersten Mal einen Blick auf die Produkte unsere Konsumgesellschaft im Verkaufslokal des Grossverteilers werfen. Schliesslich fanden sie den Weg vom Palet ins Regal, vom Regal über den Einkaufswagen ins Auto, vom Auto in die Vorratskammer des Restaurant Türmli in Bad Ragaz (Name wurde bewusst erwähnt zum Dank für den Sponsorenbeitrag für unsere neuen Einlaufleibchen), wo sie endlich von der engen Plastikhaut erlöst wurden. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, wurden sie doch umgehend in einem Topf heissen Salzwassers geworfen, weich gekocht, in ein Sieb gelehrt, von vielen Verwandten getrennt und in diesem flexiblen Zustand in verschiedenen Teller geschöpft (=portioniert), mit zweierlei Saucen begossen, mit Schnittlauch bestreut und dem Zwei zum Mittagessen serviert.

Was nun folgte war für unsere Spaghetti eine Tortur, wurden sie doch gestochen, aufgedreht, in den Mund genommen, ein paar mal gebissen, zermalmt und geschluckt (dabei wurden die Tischsitten – Zerschneiden von Spaghetti!!! - von mindestens einem Teammitglied - es wird kein Name genannt (ist Prättigauer) verletzt). Der Speisebrei wurde von der Zunge gegen den Gaumen gepresst, was den Schluckreflex auslöste, worauf die Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen gelangte. Mit etwas Kaffee begossen machten sich unsere Spaghettistückchen in ihrer neuen, warmen aber finsteren Umgebung auf den Weg nach Sargans, sollten doch ihre Kohlenhydrate mithelfen ein Unihockeyspiel zu gewinnen.

Was nun folgte war eine weitere schwere Prüfung in der Existenz unserer hartweizengriessigen Freunde, wurde sie doch zuerst nur sanft, nach einem ersten Pfiff aber immer wieder kräftig durchgeschüttelt. Stiessen sie während der ersten Rüttelperiode nur einmal sauer auf, folgten doch nach einer ersten Ruhephase noch sieben solcher Säureattacken innerhalb von nur zehn Minuten. Dies wurde einzig Unterbrochen von einem Zückerchen, das nach dem dritten Mal Gallehochkommen kurzfristig den Speichelfluss angeregt hatte. Nach einer zweiten bewegungsarmen Zeit folgte die letzte Etappe auf der wir unsere norditalienischen Energiespender begleiten wollen – alles Weitere würde die Grenzen des guten Geschmacks sprengen -, war ihr Leben kein Zuckerschlecken, wünschte sich doch so manch Beteiligter sie und noch so einiges Angestautes mehr mittels Vomitus loszuwerden.


Ausblick
Nun gilt es gut zu verdauen.

Historische Informationen zur Erweiterung der Allgemeinbildung zum Schluss:

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden Verfahren zur Nudelherstellung sowie Nudelgerichte in Südeuropa und Ostasien unabhängig voneinander entwickelt. Teilweise wird die Auffassung vertreten, Marco Polo habe die Teigwaren aus China mitgebracht. Tatsächlich gibt es in Europa jedoch bereits seit der griechischen Antike Nudelgerichte, und in etruskischen Gräbern fand man Abbildungen von Geräten zur Pastaherstellung. Auch berichtet der Geograph Al-Idrisim 12. Jahrhundert, dass in Sizilien eine fadenförmige Speise aus Mehl in großen Mengen hergestellt werde.

Die Bezeichnung Spaghetti wurde mit der Sache aus dem Italienischen übernommen (lat. spacus - Bindfaden → ital. spago 'Schnur' → Diminutiv spaghetto → Plural spaghetti).

Aufstellung: ca. 15 Portionen Spaghetti

Tore: UHCS II – Herisau: II - IIIIIIIIIII

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