Sunday, October 19, 2008 | Über die Siegesunfähigkeit
Das Ziel vom UHC Tägerwilen und dessen Torhüter war ganz klar. Er wollte sich die ersten Punkte dieser Saison aufs Konto schreiben lassen. Zu dieser schwierigen Aufgabe reisten sie nach Sargans. Das Heimteam aber, wollte sich ganz bestimmt diese Punkte, welchen den Anschluss an die Tabellenspitze bedeuteten, nicht entführen lassen.
Die thurgauer Zwölf beschränkten das Rayon ihrer Aufwärmphasen auf die alten Gebäulichkeiten der RSA. Von draussen, durch die alten Hallenmauern hörten sie die hell schallenden Torjubel der Heimmannschaft, die den jungen Fussballern des FC Sargans und deren Gegnern ein kleines Demonstrationsmatch zu bewundern zeigten. Nachdem sie bei der anschliessenden „Einknipsete“ den Hausherren erstmals an diesem herrlich schönen Samstag gegenüberstanden, wurde auch gleich zum Ernstkampf und zur besagten Punktejagt geblasen. Geschockt von der plötzlichen Ruhe nach dem Einschussspektakel wollten die Zuschauer die eingekehrte Stille in der Arena anscheinend nicht brechen. Ein lautes Zooombie überstimmte die Männer aus dem Kreuzlingischen. Danach herrschte wieder eine gespenstische Ruhe und man wollte spielerisch das ernste Publikum auftauen.
Der Wille, die Siegesprämie ans Tabellenende zu pflastern, wurde dann auch von Beginn an klar gezeigt. So wurde das „Zwöi“, wie sie im Sarganserland auch genannt werden, so heftig wie möglich unter Druck gesetzt um schnellstmöglich den ersten Treffer zu erzielen. Das funktionierte recht gut und wurde mit einem zweiminütigen Überzahlspiel zusätzlich unterstützt. Elf Minuten lang mussten nur wenige Gegenstösse abgewehrt werden. Als die Matchuhr 11.05 anzeigte gelang den Herausgeforderten aber doch der erste Treffer durch Simon Bühler. Das Zuspiel gab Oliver Laich unmittelbar vorher. Die Tatsache mit einem Zähler im Rückstand zu liegen drängte den Tägerwilern ein etwas defensiveres Spielverhalten auf. Das gab den Gastgebern den nötigen Auftrieb um auch offensiv etwas aktiver zu werden und selbst einige Konter abwehren zu müssen. So kam es zu einer Abwehraktion vor Roger Häubi die durch ihre regelwidrige Ausführung zu einem Strafstoss in der 15. Minute und zum 1:1 Ausgleich führte. Für den Tabellenzehnten kam es noch besser und man konnte umgehend auch spielerisch noch einen weiteren Punkt auf der Auswärtsseite des Scoreboards verbuchen. Kaum sind die Lobjubel über diese Führung verklungen, stellte Tom Wallimann mit seinem Assistenten Marc Gerber den Pausenstand zum 2:2 her.
Zum Mitteldrittel wurde auf Tägerwiler Seite hauptsächlich in die Abwehr investiert. Haben sich die UHCSler doch im Verlaufe der Partie steigern können. So konnte beispielsweise das komische Tor, welches sein Schütze Pascal Walser am besten selber erklären würde, mit einem aus dem Spiel entstandenen Treffer ins Gehäuse der Tägerwiler, erhärtet werden. Diese Ohrfeige erteilten Reto Wilhelm und Stefan Kohler mit einem Freistoss der nicht nur Thurgauer überfordern würde. So mussten sie ab der 26. Minute einen Zweitorerückstand verteidigen. Einen Rückstand zu verteidigen ist etwas komisch zu lesen, aber genau dieser erweckte den Torhüter und bescherte den Gegnern der Thurgauer eine gewisse Gehemmtheit den Match frühzeitig zu entscheiden. Dieser Goali startete zu einem sportlichen Höhenflug. So wollte er mit seinen auf den Weiten des Feldes agierenden Mannschaftskollegen die Chance in diesem offenen Spiel etwas zu holen, nutzen und hielten heiter mit ihrem Gegner mit. Seine Feldspieler hatten ihm etliche Male zu verdanken nicht schon längst abgeschlagen im Rückstand zu liegen. Viel zu oft wurde der Ball aus der Verteidigung, statt in die Zonen der Gegner, in deren Stockschaufeln gespielt und ermöglichte ihm so sich nicht selten auszuzeichnen und die Heimischen alt aussehen zu lassen. Lies er es sogar scheinen die anstürmenden Sarganser seien nicht befähigt weitere Tore zu erzielen. Dreissig Sekunden vor der zweiten Pause, die zehn Minuten Erholung bescheren sollte, wurde der Spielstand noch auf 4:3 angeglichen.
Aufgrund der klaren Unterlegenheit musste schon früh im vermeintlich abschliessenden Drittel, mit einer Auswärtsniederlage gerechnet werden. Die Sarganser Stürmer wurden weiter mit Bällen direkt aus der Verteidigung beider Teams bedient. Zahlreiche hochwertige Chancen wurden vom Keeper der längst die Hauptrolle in diesem Schauspiel übernahm, vereitelt. Wahrscheinlich war es der erneute Ausgleich zu Beginn dieser Spielperiode, der ihn zu diesen Taten trieb. Ein Auswärtssieg schien dennoch ziemlich unrealistisch. Musste doch die Einmannmauer des UHC Tägerwilen unzählbare Male sein Team im Spiel halten. Als Marc Gerber das Zuspiel von Thomas Peter doch noch ins Netz bekam, war dies noch immer nicht die Entscheidung. Weitere Geschenke wurden nicht rentabel angelegt und die Aktien stiegen für Tägerwilen noch vor Börsenschluss als sie eine der wenigen Tormöglichkeiten die ihnen gegeben wurde, in zählbares umgemünzt haben. Sie schafften es mit den Kräften ihres Torhüters in die Verlängerung. In dieser zusätzlichen Spielzeit stahlen sie sich auch noch den übrig gebliebenen Punkt und durften die ersten zwei Saisonpunkte feiern. Den Sargansern stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Ist dieser Sieg auch für Tägerwilen erst nach intensiven Analysen nur schwer zu erklären.
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